Im März dieses Jahres kauften wir unser erstes Wohnmobil. Seitdem habe ich mir zwischendurch immer wieder einmal unsere Erlebnisse notiert. Hier der Bericht eines erlebnisreichen wohnmobilen Jahres. Vielleicht ist er ja interessant für den einen oder anderen, der vor einer ähnlichen Entscheidung steht.
Herzliche Grüsse,
Thomas
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Entscheidung und Kauf
Das fixe an einer fixen Idee ist ja nicht, dass einem so fix kommt, sondern, dass sie sich im Kopf so festsetzt. In diesem Sinne ist die Idee, ein Wohnmobil zu besitzen, tatsächlich seit etwa zwei Jahren eine fixe Idee von mir.
Etwa genau so lange dauerte es nämlich, bis ich meine Frau davon überzeugt hatte, dass ohne ein Wohnmobil in der Familie ein Leben eigentlich nicht mehr vorstellbar sei.
Im Februar dieses Jahres begann schliesslich das ernsthafte Auswahlverfahren. Dachten wir zunächst an ein gutes gebrauchtes Fahrzeug, so stellte sich nach einigem hin und her heraus, dass mit etwas Glück die Anschaffung eines neuen Wohnmobils im Rahmen des Möglichen sein könnte.
Als echte Greenhorns war uns aber die Gefahr einer teuren Fehlentscheidung bewusst, und so verwandten wir - vielmehr: ich, meine vielen, teils widersprüchlichen Überlegungen stets meiner Frau mitteilend - viel Zeit darauf, eine Liste mit "unbedingt" Kriterien zu erstellen, die das zukünftige Wohnmobil haben müsse.
Soviel vorweg: Die meisten dieser Kriterien haben tatsächlich auch heute noch Bestand.
Was uns wichtig erschien:
Betten für uns drei und kein abendlichen Bettenbauen, ein Rückzugsbereich für unsere Tochter, Tempomat für lange Autobahnetappen, 130 PS Motorleistung, eine Anhängerkupplung für den Motorradanhänger, Rückfahrhilfe und eine Klimaanlage.
Was wir für wichtig hielten, aber tatsächlich nicht so wichtig ist:
Ein integriertes Wohnmobil zu haben. Alkovenfahrzeuge sind auch nett und vor allem gemütlich, auch wenn sie merkwürdig aussehen.
Was wir für unwichtig hielten, jetzt aber für wichtig halten:
Erstens die SAT-Anlage. Ein verregneter Urlaubstag mit einem siebenjährigen Energiebündel hat uns überzeugt: Das für unnötig gehaltene Extra spart Nerven (solange man KiKa empfängt)
Zweitens die Geräuschdämmung. Wir haben schlichtweg unterschätzt, wie laut so eine Kiste sein kann. Wie naive Automobilisten eben so sind.
Mit einigen vernünftigen und vermutlich noch mehr irrigen Vorstellungen machte ich mich also an die Vorauswahl, wie man das halt so als Deutscher macht: Ich las die einschlägigen Fachblätter, surfte durch die üblichen Foren und wälzte entsprechende Fachliteratur. Theoretisch war ich nach wenigen Wochen ein alter Wohnmobil-Hase. Praktisch, wie bereits erwähnt, eher ahnungslos.

Mehr zufällig fiel uns dann unser Wohnmobil quasi vor die Füsse: Ein neuer Bürstner Aviano, der bereits einige Monate als Ausstellungsstück bei einem Händler im fränkischen Schwarzenbruck sein jungfräuliches Dasein fristen musste. Da es sich um ein Modell des Jahres 2007 handelte und bereits die Nachfolgegeneration verkauft wurde, war das Fahrzeug günstig, allerdings auch mit vielen Extras ausgestattet, die wir so gar nicht wollten - darunter besagte Sat-Anlage.
Der erste Urlaub
Die Tage bis Pfingsten schienen gar nicht vergehen zu wollen. Die ganze Familie fieberte bereits auf den ersten Wohnmobil-Urlaub hin. Zwei Wochen Süditalien - darauf hatten wir uns schon lange gefreut.
Gut tausend Kilometer sind es von München bis in den Gargano. Damit die lange Strecke für unsere Tochter erträglich ist, beschliessen wir, am Abend loszufahren: Nach Kufstein wird es langsam dunkel, wir passieren Brenner, Bozen, den Gardasee, Verona. Irgendwann, gegen vier Uhr morgens und 600 Kilometer später spüre ich, wie ich müde werde und wir steuern vor Pistoia eine Autobahnraststätte an. Nach drei Stunden Schlaf packen wir die letzte Etappe an.
Zwischen Pistoia und dem Gargano führt die Autostrada über zahlreiche Brücken. Zum ersten Mal schwant mir Übles: Bei jedem Brückenabsatz scheppert es, als würde die Karre sich gleich in alle Einzelteile zerlegen.
Mit dem Verdacht liege ich nicht ganz falsch: Als wir am Campingplatz ankommen, fallen uns beim Öffnen der schönen Hartal-Tür gleich einige Türbeschläge entgegen.

Der Campingplatz in einer Bucht bei Pescischi entschädigt und für die lange Anfahrt, aber ein etwas zwiespältiges Gefühl die Qualität unseres neuen Mobils betreffend bleibt haften.
Männersache
Einmal im Jahr nehme ich mir ein paar Tage frei von allem; dann gehe ich mit meinem Bruder auf Tour mit unseren Motorrädern. Diese jährliche Männertour unternehmen wir jetzt schon viele Jahre und entsprechend haben wir auch viele spektakuläre Motorradstrecken in den Alpen unter die Räder genommen.
Dabei haben wir bisher meist unsere Campingausrüstung auf die Kräder geschnallt und sind mit leichtestmöglicher Ausrüstung aufgebrochen. Diesmal jedoch soll es anders werden: Statt spartanisch in unseren Dackelgaragen zu nächtigen, wollen wir es uns richtig gut gehen lassen. Der Plan ist schnell gemacht: Wir wollen uns einen Motorradanhänger leihen und mit dem Wohnmobil in Richtung Apennin fahren. Auf einem Campingplatz soll das Wohnmobil dann unsere Basisstation, Werkstatt und Hotel werden.

Etwas mulmig ist mir schon bei dem Gedanken. Schliesslich bin ich nicht nur Wohnmobil-Greenhorn, sondern auch ohne Erfahrung beim Fahren mit Anhänger. Und eine überschlägige Rechnung sagt: Das Gespann wird gut neun Meter lang sein! Wie soll man damit rangieren können?
Die Sorgen stellen sich als unbegründet heraus und sowohl das Verladen und Verzurren der Maschinen als auch das Fahren sind mit etwas Bedacht kein Problem. Natürlich sieht man den Hänger in den Rückspiegeln des WoMos nicht - also ist zu Anfang etwas Vorsicht geboten, schert man nach dem Überholen eines LKWS auf der Autobahn wieder auf die rechte Spur. Ja, und der Hänger nimmt natürlich in Kurven einen engeren Radius, also muss man etwas später einlenken. Und bergab drückt es von hinten ganz gewaltig. Aber alles in allem kein Hexenwerk.
Spätestens bei der steilen Auffahrt zu unserem Campingplatz in der Nähe von Pistoia zeigt sich, dass unser Aviano mit 130 PS nicht übermotorisiert ist: Wir bezwingen das letzte Stück nur mit dem ersten Gang.
Aber es hat sich gelohnt: Der Campingplatz ist ein Traum, wir finden ein schönes Plätzchen, laden die Maschinen ab und sind bereit für unsere Tagestouren im Mittelgebirge des Apennin.

Ohne lästiges Gepäck nehmen wir kleine und kleinste Strassen unter die Räder. Keine 50 Meter scheint es geradeaus zu gehen, nach ein paar Stunden sind wir fast schwindlig vor lauter Kurven - nichts, was sich nicht mit ein paar Espressi kurieren lassen würde.
Abends kehren wir zu unserem Basislager zurück und nach einer heissen Dusche geniessen wir Pasta und Rotwein in der Trattoria unseres Campingplatzes.
Unter Beschuss
Nach drei kleineren und größeren Reisen mit dem Wohnmobil ist der Sommerurlaub in Cá Savio, den wir für den August geplant hatten, schon fast Routine. Das Aufrüsten und Packen geht leicht von der Hand, die anfangs unbekannte Technik des Wohnmobils geben mir keine Rätsel mehr auf und die dazugehörigen Verrichtungen funktionieren auch wie von selbst.
Der letzte Urlaub wird auch als Höhepunkt der Saison in unserer Erinnerung bleiben - alles hat gepasst: Wir haben mit unseren netten Camping-Nachbarn Freundschaft geschlossen, herrliches Badewetter genossen und: Unseren Gasgrill endlich genutzt. Letzte Lernerfahrung für dieses Jahr: Eine Gas-Steckdose ist eine prima Sache, Filets und Hamburger vom Grill sind Weltklasse.

Unser Urlaub endet dann doch noch mit einem Paukenschlag: Nach schwülwarmen Tagen zieht an unserem letzten Urlaubstag ein Unwetter auf. Die leicht gelblichen Wolken lassen nicht Gutes ahnen und plötzlich bricht ein Hagelschauer über uns herein, der den Campingplatz innerhalb weniger Minuten in ein Schlachtfeld verwandelt: Zelte fallen zusammen, Äste stürzen herab und walnussgroße Hagelkörner prasseln auf unser Wohnmobil. Nach ein paar Minuten ist der Spuk vorbei und ich besichtige mit böser Vorahnung das Dach unseres Wohnmobils. Das hat nun ein nettes Relief - aber ich tröste mich: Die Golfball-Oberfläche soll ja gut für die Aerodynamik sein.
Herbst
Vier Touren haben wir in diesem Jahr mit unserem Wohnmobil unternommen, dabei gut 7000 Kilometer abgespult und ganz nebenbei eine neue Art von Urlaub für uns entdeckt, die allen viel Spass macht.
Als sich bei uns die Blätter langsam verfärben, würden wir am liebsten unsere Sachen packen und wieder Richtung Süden aufbrechen. Das Wohnmobil steht noch vor der Tür, ist abfahrbereit und innerhalb weniger Stunden wären wir wieder auf Achse. Aber jetzt heisst es erst einmal wieder Arbeit und Schule und träumen von den Touren im nächsten Sommer.
Appendix: Die Konfiguration unseres Aviano
Bürstner Aviano i610 (130 PS)
Tempomat
Klimaanlage
Nebelscheinwerfer
Rückfahrsensoren
Aufbautüre Hartal mit Fliegenschutz
Abwassertank beheizbar
SOG-Toilettenentlüftung
2. Aufbaubatterie
Fussbodenheizung 230V
Heizung Truma C6000EH
SAT-Anlage mit Digitalreceiver
17“ TFT Fernseher 12V
Zus. Garagenklappe
Polster Novalife
Anhängerkupplung
Markise
Vorzeltleuchte
Sonderlackierung Champagner
Armaturenbrett Edelhloz
Fahrradträger 3fach innen
Gassteckdose aussen
Kurbel-Hubstützen hinten