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Das antike Pompeji

Haus des Menander - repräsentative Stadtvilla
Die Wetterfee hatte uns aus dem verregneten Apulien ins antike Pompeji geschickt, schwere Kost. Doch die Ausgrabungsstätte am Golf von Neapel hat uns überrascht. Sie ist anders - völlig. Drückt man sich an Ausgrabungsstätten gewöhnlich die Nase an Vitrinen platt oder wird mit Sicherheitsabstand an einem berühmten Grab vorbeigeschoben, ist man in Pompeji mittendrin, ohne Netz und doppelten Boden. Man läuft genau auf den Pflastersteinen, über die schon vor 2000 Jahren Caius Cuspius schritt, steht am selben Tresen des Schnellimbisses, an dem Trebio Valente seine Kinder versorgte und wandelt wie Quintos Poppaeus durch den Innenhof eines Stadthauses.


Hier gingen vor mehr als 2000 Jahren die Pompejaner - Heute laufen wir auf genau denselben Steinen
Tipps: Versucht früh Eintrittskarten zu kaufen, der Andrang an den Schaltern ist bisweilen riesig. Leiht Euch neben der Kasse am Haupteingang Porta Marina einen Audioguide, ein kleines elektronisches Gerät. Sprachlich wie inhaltlich war es ausgezeichnet. Wir konnten damit unseren eigenen Rhythmus finden und mussten nicht einem Führer hinterherlaufen. Der Audioguide bot neben den reinen Erklärungen auch Berichte über das Leben und den Alltag der Pompejaner, spannend, im Audiomenü schauen. Mit dieser Funktion ist der Audioguide den meisten Führern überlegen,wir konnten das gut vergleichen. Versucht nicht alles zu sehen, das macht nur kirre. Und, mindestens einen ganzen Tag einplanen, danach seid Ihr platt.

Nach einem Unwetter zeigt sich der Vesuv. Im Jahr 79 brach er aus und begrub Pompeji unter einer zehn Meter hohen Schicht aus Lava, Asche und Bimsstein.
Am 24. August 79 zerstörte ein heftiger Ausbruch des Vesuvs die Stadt Pompeji. Zuvor hatten kleinere Eruptionen und mehrere Erdbeben die Bewohner in Angst versetzt. Nach der Explosion der Magmakammer gingen tausend Tonnen Asche, Lava und heiße Bimssteinbrocken auf die blühende Stadt nieder und bedeckten Pompeji meterhoch. Wer bis dahin nicht geflüchtet war, hatte keine Chance mehr, sein Leben zu retten. Nach Schätzungen von Archäologen starben 2000 Pompejaner.

Der Moment des Todes - verzweifelt und hoffnungslos

Todeskampf
Die Archäologen entdeckten bei ihren Ausgrabungen seltsame Hohlräume. Unter dem heißen Vulkanauswurf waren die Menschen erstickt und verbrannt. Ihre Körper vergingen mit der Zeit und hinterließen ihren Abdruck als Hohlraum. Die Wissenschaftler füllten diese Räume mit Gips aus, beseitigten die erstarrte Asche und erhielten so den Ausdruck der Menschen im Moment ihres Todes.

Das zerstörte Pompeji
Plinius der Jüngere beobachtete den Vulkanausbruch von dem 25 Kilometer entfernten Misenum. Er beschreibt, wie die Wolke seine Heimatstadt erreicht: "Da regnete es Asche, wenn auch noch nicht sehr viel. Ich wandte mich um. Eine dichte Qualmwolke, die wie ein reißender Strom über die Erde dahinschoss, folgte uns drohend. `Wir wollen Ausbrechen´, rief ich, `solange wir noch etwas sehen, damit wir nicht auf der Straße in der Finsternis von der Menschenmasse ringsum zertrampelt werden.´ Wir hatten uns kaum niedergesetzt, da umhüllte uns bereits die Nacht, nicht eine mondlose oder von Wolken verdunkelte Nacht, sondern die Finsternis eines geschlossenen, lichtlosen Raumes. Man hörte das Heulen der Frauen, das Gewimmer der Kinder, die Schreie der Männer... . Aus Angst vor dem Tod riefen manche nach dem Tod. Viele hoben die Hände zu den Göttern; groß war die Zahl derer, die glaubten, es gebe keine Götter mehr und über die Welt sei die letzte, die ewige Nacht hereingebrochen."
Aus: http://www.vulkane.net/vulkane/pompeji/plinius.html

Forumstherme


Zwischen den Figuren legten die Pompejaner ihre Badesachen ab - Im Becken war kaltes Wasser, um sich zu erfrischen

Ein Bad aus Marmor
Uns haben es unter anderem die Thermen der Pompejaner angetan. Dort trafen sich die Menschen, entspannten sich, plauderten mit Freunden und sicher wurden dort auch Geschäfte angebahnt und abgeschlossen. Wohlhabende Villenbesitzen ließen sich Thermen in ihre Häuser einbauen. Wer sich dies nicht leisten konnte, ging in ein öffentliches Bad.
Die Pompejaner leisteten sich eine exquisite Badekultur. Kaltbad, Schwitzbad, Schwimmbecken, Ruheräume, es fehlte an nichts. Große öffentliche Thermenanlagen bauten sie im Zentrum der Stadt, sie waren vermutlich beliebte Treffpunkte.

Basilika - hier wurde gehandelt und Recht gesprochen

Das große Theater bietet Platz für 5000 Zuschauer


Am Forum Triangolare, neben dem großen Theater - Blick über die Ruinen zum neuen Pompei

Schnellimbiss, das antike McDonald's
Der lange Spaziergang macht hungrig. Die Pompejaner gingen entweder in ein Restaurant, oder sie versorgten sich an beim Thermopolium, einer Art Schnellimbiss. Der Gast stand auf der Straße vor dem antiken McDonald's. Das Essen war in Tongefäßen, die in den Tresen aus Stein eingelassenen waren. Unter den Töpfen brannte ein Feuer, schon damals schmeckte es warm besser. Es gab Linsen, Erbsen, Bohnen usw., alles eher einfach. Oft schloss sich an die Theke noch ein kleiner Raum mit Tischen und Stühlen an.

Das Haus des Menander, Eingangshalle
Das Haus des Menanders gehörte einer wohlhabenden Familie. Der Besucher tritt in eine großzügige Eingangshalle (Atrium), die jedem sofort den sozialen Rang des Besitzers vor Augen führt. Geradeaus liegt ein rechteckiger Innenhof mit einem großen Garten. Dieser ist von allen Seiten mit Säulengängen (Kolonnaden) umgeben. Von den Gängen führen Türen in die einzelnen Bereiche des Anwesens, unter anderem in ein prächtiges Thermalbad. Das Haus des Menander ist reich mit Fresken dekoriert. Seinen Namen hat es von einem Bild des griechischen Dichters Menander, das in einem Zimmer gefunden wurde.

Innenräume


Bildnis des Menander - Therme im Haus
Das Haus birgt ein Rätsel. Archäologen entdeckten dort bei Ausgrabungen 18 Leichen. Bei drei der Toten wurden jedoch Hacke und Pickel entdeckt. Auch deuten Löcher in den Wänden des Hauses darauf hin, dass die Drei nach dem Vulkanausbruch von außen eindrangen und plündern wollten, ihren Einbruch jedoch nicht überlebten. Möglicherweise brach die Decke unter der Last des Vulkangesteins ein. Die mutmaßlichen Plünderer wussten vermutlich, dass in dem Haus ein Schatz lag. Die Archäologen entdeckten in einem Raum sorgfältig versteckt Silbergefäße und reichlich Münzen.

Innenhof mit Kolonnaden

Apollo-Tempel, eines der ältesten Gebäude in Pompeji
Das antike Pompeji ist riesig. Wir haben uns Zeit gelassen und an einem Tag nur einen kleinen Teil der Ausgrabungen angeschaut. Wer möglichst viel sehen will, sollte sich vorher informieren und die wichtigsten Sehenswürdigkeiten auf einem Plan eintragen und diesen dann abarbeiten, die harte Tour sozusagen. Wir werden Pompeji sicher nochmals besuchen und dann gezielt einiges anschauen. Beim ersten Besuch einer so großen Anlage mögen wir uns lieber treiben lassen, um ein Gefühl für den Ort zu bekommen.

Ciao Eumachia, Pristerin der Venus
Bologna

Die Farben Bolognas
Der Kalender mahnte zur Rückkehr nach Berlin. Die Wetterkarte zeigte Wolken über Rom und halbwegs gutes Wetter in der Po-Ebene. Seit zig Jahren spukt mir Bologna im Hinterkopf herum, Studenten hatten mir vor längerer Zeit begeistert von ihrer Stadt erzählt. Doch bisher hatte ich es nur bis Mailand und Modena geschafft. Auf nach Bologna, die auch la grassa, la dotta, la rossa - die Fette, die Gelehrte, die Rote, genannt wird.

Typisch für Bologna sind die Arkaden
In der Innenstadt Bolognas ist man gut behütet. Etwa 40 Kilometer Gehsteige verlaufen unter Arkaden. Bologna ist das Zentrum der Region Emilia-Romagna Die etwa 80 000 Studenten der ältesten Universität Europas prägen die Innenstadt, von quirlig, modern, ausgeflippt bis elegant. Das Sonnenlicht reflektiert die roten und gelben Okertöne der Backsteine und Wandfarben und taucht alles in ein warmes Licht.


Flanieren in Bolognas Gassen

wegweisend

Rote Ziegel prägen das Straßenbild, hinten überragt ein Geschlechterturm alles

Palazzo Re Enzo an der Piazza Maggiore


Palazzo Ecke Via Caprarie / Via Castiglione - Palazzo dei Notai und Palazzo D'Accursio an der Piazza Maggiore

Geschäftige Via Rizzoli mit den beiden Geschlechtertürmen Garisende und Asinelli
Die restaurierte Altstadt Bolognas ist eine der größten Italiens. Sie verströmt ein alternatives Flair, sagen die Studenten. Bars, Galerien, Cafés, Vintage-Läden, kreative Shops leben von ihnen. Mehr als 40 Museen laden zum Besuch ein, der Kulturkalender der Stadt ist voller Events. In jeder Straße findet man kleine Fresstempel, an deren Schaufenster man kaum vorbeikommt, und: Mode!

nobel


elegant

dominant
Die Altstadt wird vom roten Backstein dominiert. Sie wird deshalb Die Rote genannt, auch, weil die Kommunisten über Jahre die Stadt regierten und die Studentenbewegung Italiens hier ihre Wurzeln hat. Rote Wegweiser sind die Geschlechtertürme der Stadt. Sie stammen aus dem 12. und 13. Jahrhundert. Vermutlich verschanzten sich darin die reichen Familien Bolognas.

pralle Fülle

Bologneser Spezialität: Tortellini


Ah, damit hängt das zusammen - dann mehr davon

A. F. Tamburini, eines bekanntesten Feinkostgeschäfte in Bologna
Bologna ist das kulinarische Zentrum Italiens, davon sind die Bürger überzeugt. Und sie haben gute Argumente: Aus der Stadt kommen die Tortellini, die kleinen ringförmigen Teigwaren, die wie Ravioli gefüllt sind. Auch die Mortadella haben die Bologneser kreiert, das auch für seine Tagliatelle und Lasagne bekannt ist. Zudem ist in der Stadt die Slow-Food-Bewegung stark vertreten. Eines der bekanntesten Feinkostgeschäfte in Bologna ist A. F. Tamburini (Via Caprarie 1)

Majani, einer der ganz großen Chocolatiers


Kandierte Orangenstäbchen - Historische Bäckerei Paolo Atti

Historische Bäckerei Paolo Atti
Sie können nicht nur herzhaft, die Bologneser. Wenn es Süßes sein soll, dann zergeht Schokolade auf ihrem Gaumen. Berühmt ist der Schokoladenhersteller Majani (Verkauf: Via G. Brodolini 16). Seit 1796 kreieren die Confiseurs feinste Schokolade. Selbst Napoleon III. konnte nicht widerstehen. 1911 erschufen sie zur Einführung des FIAT Tipo "Cremino Fiat", eine Schokolade, die heute noch hergestellt wird - im Gegensatz zum Tipo. Die historische Bäckerei Paolo Atti (Via Caprarie 7) ist sowohl für ihr Früchtebrot als auch ihre karamellisierten Tagliatelle-Törtchen berühmt.

Andrang in der Pescheria Brunelli Di Galazzi Mauro


Belagerungszustand - um ihn geht es
Zu süß? Zu viele Kalorien? Dann ab zum Fischgeschäft (Pescheria) Brunelli Di Galazzi Mauro in der Via Drapperie 8. Der Laden ist kaum zu übersehen, geht einfach zu der Menschentraube, kämpft Euch durch und schon steht ihr vor fangfrischem Meeresgetier. Der Laden reicht weit in die Gasse hinein. Mindesten vier Verkäufer diskutieren und gestikulieren mit den Käufern, die äußerst kritisch die Ware auswählen.

Obst und Gemüse, frisch in der Via Drapperie

Schlemmergasse Via Pescherie Vecchie

Der Motorroller ist das Verkehrsmittel der Wahl in den Innenstädten


Flink und überall
Die Beute aus dem Gourmetparadies muss nach Hause gebracht werden. Entweder man geht zu Fuß, nimmt einen Bus oder steigt auf einen Motorroller. Die Scooter sind das Verkehrsmittel in den historischen Innenstädten Italiens. Sie ziehen den Autos an der Ampel davon, schlängeln sich durch kleinste Gässchen und einen Parkplatz findet man letztlich überall. So verwundert es nicht, dass Jugendliche auf schnellen Aprilia-Rollern unterwegs sind, Studenten die klassische Vespa bevorzugen und der Geschäftsmann mit dem Burgmann Business dem im ewigen Stau stehenden Mercedes davongleitet.

Altes Schusterhandwerk

Top modische Treter


Elegante und rätselhafte Auslagen

Barbiere

Ruhige Seitenstraße


Alte Hauseingänge
Wer vom Trubel der Plätze und Hauptstraßen genug hat, findet nur eine Seitenstraße weiter kleine Geschäfte, Handwerker und gemütliche Läden.

Ausstellung einer kleinen Galerie


Kunstdrucke und Zeichnungen
Müde von den ganzen Eindrücken wichen wir in Seitenstraßen aus und blieben vor einer kleinen Galerie mit Papierarbeiten hängen, Drucke, Zeichnungen aber auch Schnittbögen. Die Ausstellungsstücke hatten was. Wir blieben stehen, die Sammlung war leider geschlossen. Doch die Galeristin bat uns herein. Mit Hilfe ihres Druckers, der Englisch sprach, entspann sich ein längeres Gespräch über die Kunst, das Viertel und überhaupt. In einer digitalen Welt hat ein Papierdruck oder eine Tuschezeichnung was. Die Anfassqualität, das Gefühl, wenn die Finger über die Oberfläche des Papiers gleiten, das Rascheln der Drucke, der Geruch der Farbe. Es sind diese unerwarteten Momente, die Reisen zum Erlebnis machen.

Die Straße ist Treffpunkt und Bühne


parlare

Für einen Schwatz ist immer Zeit

Das Leben - draußen

Kaffekränzchen chic


Wohnzimmer

Ciao Bologna, bis zum nächsten Besuch
(Direkt zu Teil 1: Apulien)
(Direkt zu Teil 3: Alba - Trüffelstadt im Piemont)
Beste Grüße, Rod