Endlich mal wieder einen Internetzugang!
Inzwischen sind schon wieder einige Tage verstrichen und wir sind mittlerweile in Afrika, genauer gesagt in Marokko, angekommen.
Seit dem letzten Bericht ist viel passiert und ich werde mal versuchen, euch einiges davon mitzuteilen.
Wir sind also am Samstag, dem 1. Februar, von Marbella in Richtung Gibraltar weiter gefahren. Wir haben uns für die Küstenstr. entschieden, um auch einen Blick auf die endlosen Strände von Estepona zu werfen. Unser Ziel war ein Stellplatz, in Torreguardio. Während der Fahrt überlegten wir uns aber, dass wir doch ein paar Tage in Gibraltar und Umgebung bleiben könnten, denn auch dort gibt es doch noch vieles zu entdecken.
Also disponierten wir kurzerhand um und suchten uns einen Campingplatz in der Nähe von Gibraltar. Es wäre gegen einen Stellplatz nichts einzuwenden gewesen, aber wenn wir mehrere Tage an einer Stelle bleiben und dann den ganzen Tag lang mit den Motorrädern unterwegs sind, ist es uns schon lieber, wenn das Wohnmobil auf einem gesicherten Platz steht. Hinzu kommt natürlich auch noch die Annehmlichkeit, dass man auf einem Campingplatz die sanitären Einrichtungen nutzen kann, ebenso wie die vereinfachte Ver-und Entsorgung.
Viel Auswahl hatten wir in diesem Gebiet nicht, es kamen nur 2 Plätze in Frage.
Wir entschieden uns für den Platz in La Línea, „Camping SurEuropa“. Das Camp liegt nur 100-150 Meter vom breiten und Kilometer langen Sandstrand entfernt, ist relativ ruhig und hat eine wirklich „sehr saubere“ sanitäre Anlage.
In den ersten beiden Nächten waren wir die einzigen Gäste auf dem Platz und die Übernachtung kostete ohne Strom 13,65 Euro. Das schöne an diesem Campingplatz war auch, dass man die Mainstreet von Gibraltar leicht (ca. 8 km) erreichen konnte. In der britischen Enklave gibt es sehr viele Sehenswürdigkeiten und es ist kaum möglich, all diese Orte an einem Tag zu besichtigen. Für den Besuch in Gibraltar braucht man einen gültigen Personalausweis und man sollte das Auto am besten schon auf der spanischen Seite, auf einem der großen Plätz, parken. Gibraltar ist klein, hat sehr enge Gassen und ist meist sehr gut besucht. Das Übernachten im Fahrzeug ist im gesamten Stadtbereich verboten.
Wer in die Stadt möchte, muss nach der Grenzkontrolle als erstes die Start- und Landebahn des Flugplatzes überqueren. Hier auf dem Bild ist die Rollbahn gut zu erkennen.
So, genug erzählt, jetzt sollen euch unsere Bilder einen Eindruck von dieser englischen Kolonie, am südlichen Zipfel von Europa vermitteln.
Mit meinem Navi war es recht einfach den Weg zum „Upper Rock“ zu finden. Die Straße endet erst einmal vor einem kleinen Kassenhäuschen. Dort erfuhren wir, dass wir zu einem Preis von 16 Euro pro Person und Motorrad, den Felsen von Gibraltar befahren dürfen. Wir zahlten also 32 Euro und durften die Schranke passieren.
Der Weg ging relativ steil bergauf und mit jedem Meter, den wir höher kamen, wurde die Aussicht auf die Bucht von Algeciras und Gibraltar spektakulärer.
Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich schon vorher einmal so viele Schiffe auf so engen Raum gesehen hatte. Selbst in Piräus in Griechenland lagen die Schiffe viel weitläufiger vor dem Hafen auf Reede.
So etwa auf halber Höhe endete die kleine Straße in einem ehemaligen Geschützbunker aus dem 2. Weltkrieg. Die Stellung ist noch komplett erhalten, lediglich die riesige Kanone, mit der man die Meeresenge von Gibraltar kontrollieren konnte, war nicht mehr vorhanden.
Ich vermute, dass es sich bei dem Geschütz um ein ähnliches Modell gehandelt hat, wie es auf diesem Foto zu sehen ist. Es gibt noch einige weitere Exemplare, die man an einigen anderen Stellen des kleinen Königreiches besichtigen kann.
Weitaus interessanter als die Kriegsgeräte, war der unbeschreiblich imposante Ausblick, den man von diesem Ort auf die Meeresenge hatte. Der Blick reichte selbst ohne Fernglas bis nach Afrika und man konnte sogar mit bloßem Auge einzelne Häusergruppen der spanischen Enklave „Ceuta“ erkennen.
Aber ebenso interessant war die Aussicht auf die Spitze der britischen Landzunge. Alles kam einem so vor, als sei es eine Landschaft, die man auf einer Modellbahnanlage installiert hätte. Als wir dann weiter fuhren, kamen wir zum Eingang von „Sankt Michael´s-Cave“. Hier mussten wir nun die Motorräder entgültig abstellen und unseren Weg auf „Schusters Rappen“ weiter gehen.
Die Höhle überrascht als erstes schon durch ihre riesigen Hallen, die in ihren Ausmaßen, durch die Installation von klassischer Musik und Beleuchtungseffekten, unterstrichen werden. Hier werden immer wieder Konzerte und Veranstaltungen präsentiert.
Man kann gut 20-30 Minuten für die Besichtigung einplanen, denn es geht über zahlreiche Etagen und durch tiefer gelegene Gänge, immer wieder vorbei an den bizarren und von der Natur geschaffenen Kalksteingebilden. Teils wie dorische Säulen, andererseits wie filigrane Vorhänge, sind die steinernen Kunstwerke gewachsen.
Wieder aus den Höhlen im Tageslicht angekommen, geht unser Weg weiter zu den Aussichtspunkten auf den Gipfeln des 424m hohen Felsmassivs.
Wir konnten von hier oben den Strand bis zu unserem Campingplatz sehen
und ebenso erkennen, wie schmal die Landzunge von Gibraltar eigentlich ist. Der Felsen ist von sehr vielen Stollen und Tunnelgängen durchzogen, die in den Kriegszeiten militärisch genutzt wurden. Überall sieht man in den Felswänden die Eingänge zu den Tunnelsystemen und die Schießscharten, die man ebenfalls noch besichtigen kann. Uns war das dann allerdings zu viel für einen Tag.
Ein weiteres Schauspiel, von dem ich schon während meiner Schulzeit gehört hatte, sind die Affen, die hier auf dem Felsmassiv frei und halbwegs wild leben.
Immer wieder laufen sie einem über den Weg und man sollte auf seine Sachen aufpassen und nach Möglichkeit nichts Essbares in den Händen halten. Es gibt Tiere in den Rudeln, die sehr flink sind und wenn es ums Fressen geht auch schon mal beißen können. Wir hatten die Affen allerdings, bis auf eine Ausnahme, als sehr ruhige und gemütliche Tiere wahrgenommen.
Natürlich kam ihnen jede Abwechslung recht und so fuhren sie auch gerne mal als „blinder Passagier“ auf den Autos mit.
Die kleineren Tiere begnügten sich hingegen mit dem Zusehen und blieben in sicherer Entfernung zu den metallenen Fahrzeugen.
Wir hatten wieder einmal einen erlebnisreichen Tag hinter uns und konnten uns kaum von dem fantastischen Weitblick auf dem 842 Meter hohen „Jbel Musa“, auf der afrikanischen Seite der Straße von Gibraltar, losreißen.
Über unsere Erlebnisse bei der Überfahrt und von den ersten Tagen in Marokko werde ich in den nächsten Tagen berichten.
Hier schon mal ein kleiner Vorgeschmack auf die Aussicht von unserem ersten Campingplatz. Im Hintergrund kann man die riesigen Wellen des Atlantik erkennen.
